Haus des Monats
Haus Dorstewitz
Das Wohnen neu erfunden
Einen kreativen Fertighaushersteller, der individuelle Bauherrenwünsche planen und realisieren kann, seien sie auch noch so unkonventionell – das suchte Rainer Dorstewitz, selbst Ingenieur und Erfinder. Im Lauf seines Lebens hatte er schon einige Häuser renoviert, geplant und gebaut. Sein großer Wunsch für den Lebensabend war ein Entwurf im Bauhaus-Stil.
Ungewöhnliches Hauskonzept
Schon das Grundstück, das Rainer Dorstewitz als Bauland erworben hatte, war ziemlich ungewöhnlich: 13m breit, dafür 22m lang, hinten von einem Bach begrenzt, seitlich von zwei bebauten Parzellen- eine typische Lückenbebauung, die vom Planer Maßarbeit erfordert. Letzterem brachte der Bauherr gleich einen selbst gezeichneten Vorentwurf mit. Dort war im Großen und Ganzen schon vorhanden, was aus Haus Dorstewitz am Ende ein sehr ungewöhnliches Haus machen sollte. „Ich kann mich erinnern, dass der Bauherr vor allem eine enge Verzahnung von Wohnen und Arbeiten wünschte, “ rekapituliert Architekt Mark Basler. „Dabei legte er besonders Gewicht auf den Arbeitsbereich und auf eine moderne, nicht alltägliche Architektur.“ Die Dimensionen des Grundstücks gaben Form und Größe des Bauköpers vor. Seitlich von einem Carport und einem Technik-Anbau flankiert, ist er vorn nur etwa 4,50 Meter breit und nimmt in der Länge 13 Meter ein. Erst am hinteren Ende wird die volle Gebäudebreite von 7 Metern erreicht. Im Erdgeschoss befindet sich hier der Wohnbereich, in dem die seitliche Erweiterung eine geschützte Nische bildet. Rainer Dorstewitz platzierte dort einen Edelstahl-Kaminofen. Dessen Außenschornstein setzte einen kräftigen Akzent in Rot an der weißen Fassade.

Die Farbkombination rot-weiß findet sich als wiederkehrendes Motiv auch in den Innenräumen wieder. Stellenweise kommen als weitere Farben schwarz oder anthrazit hinzu, etwa beim Sofa, das mit dem Rücken zur Küche platziert wurde: So kann man den Blick hinunter zum Bach in jeder Jahreszeit genießen. Essplatz und Küche, letztere ein minimal ausgestatteter Durchgangsbereich, wurden auf Wunsch des Bauherrn knapp und funktional ausgelegt. So blieb auf dieser Ebene noch genügend Raum für ein kleines Gästezimmer und ein Dusch-WC – Nebenräume, die im Alter barrierefreies Wohnen auf einer Ebene ermöglichen.
Arbeitsbereich im Obergeschoss
Das offene Wohnensemble wird durch eine Schiebetür von Diele und Treppe abgeschirmt. Dies bietet den Vorteil, dass man im Büro Kunden oder Geschäftspartner empfangen kann, ohne die Privaträume zu tangieren. Den eigentlichen Kern des Arbeitsbereichs bildet ein kleines Arbeitszimmer: Hier kann kreatives Chaos herrschen, während man im offenen Büro nebenan eine Besprechung hat. Eine große, bodentiefe Glasfläche macht diesen Raum auch in der Freizeit zu einem attraktiven Aufenthaltsbereich. Bad und Schlafzimmer werden durch einen schmalen Flur entlang der geradläufigen Treppe erschlossen. Auch hier wurde auf engem Raum geplant, wobei man berücksichtigen muss, dass es keine Dachschräge gibt, die Grundfläche der Räume also vollwertige Wohnfläche ist. Das Bad ist sehr kompakt, minimalistisch, aber funktionell ausgestattet. Das Schlafzimmer erhält durch bodentiefe Fenster eine helle, freundliche Atmosphäre und bietet reichlich Stellfläche für Kleiderschränke.
Der Grundriss ist in bester Bauhaus-Tradition schlicht und geradlinig gestaltet. Alle Räume sind auf einer geraden Achse angeordnet, was im offenen Erdgeschoss für mehr Großzügigkeit sorgt. Dem aktuellen Trend folgend, könnte man hier mit entsprechendem Mobiliar die Grenzen zwischen allen Bereichen stilistisch auflösen. Neben dem Essplatz befindet sich ein hohes Glaselement, ansonsten wurden Glasflächen eher sparsam eingesetzt, um die Räume im eng bebauten Areal vor Einblick zu schützen. Spezielle Wünsche des Bauherrn, etwa nach einer geradläufigen Treppe, nach wandbündigen Stahlzargen für die Türen oder extragroßen Fensterformaten waren für Fertighaus WEISS kein Problem.
Architektur in der Tradition des Bauhauses
Architektonisch steht Haus Dorstewitz unverkennbar in der Tradition des Bauhauses, auch wenn der starke, vom Bauherrn gewünschte Rotweiß-Kontrast die funktionale Kubatur des Baukörpers konterkariert. Dabei ist jede Hausseite anders gestaltet. Sodass sich das Gebäude dem Betrachter erst erschließt, wenn er es umrundet: Fast schon filigran empfängt ihn die Zufahrtsseite mit schmalen Baukörper und einem schlichten, als Scheibe ausgeführten Carportdach, das von einem Edelstahlrahmen mit zwei Stützen gehalten wird. Im hinteren Bereich befindet sich der Technikraum, nur von außen zugänglich und wie der Außenschornstein in kräftigem Rot vom weißen Baukörper abgesetzt. Auch auf der Terrassenseite wurden die Glasflächen eher sparsam verteilt. Ihre Anordnung folgt einer verspielten Asymmetrie, noch betont durch ein Fallrohr, das die Fassade ungleich proportioniert. Die Schiebetür zur Terrasse wird durch ein Dreiecksegel beschattet, ein „Sandstrand“ bildet den passenden Anschluss zum Bachufer. Auf der Eingangsseite sorgt ein einziges, großes Fenster im Studio für das nötige Arbeitslicht, ansonsten gibt sich das Haus auf dieser Seite völlig verschlossen. Das Flachdach von Haus Dorstewitz erfordert zwar spezielle Detaillösungen, wurden von Fertighaus WEISS aber technisch elegant gelöst. Anders als bei ähnlichen Entwürfen wurden die Fallrohre auf Wunsch von Rainer Dorstewitz nach außen verlegt und bewusst als eigenwilliges Gestaltungsmittel eingesetzt- weiteres Detail eines unkonventionellen Hauses, das nach Maß auf die Gegebenheiten des Grundstücks und auf die Wünsche des Hausbewohners zugeschnitten ist.

